Lucas Monolog

2. Lucas Monolog

„Erste Regel: Kapitalismus ist immer schmutzig. Offensichtlich geschieht das Hofieren des Kapitalismus aus Interessenkonflikten, schlichtem Opportunismus und mit Sicherheit auch aus Feigheit. Enzo nennt so etwas schlicht dumm, wer soll sie ihnen eigentlich noch abkaufen, die guten Haare? Und mit welchen Augen sind dann noch jene Studierten zu betrachten, die sich in verzückte Bewunderung für den Kapitalismus versteigen, ihm huldigen und sich in der Technik des Bescheißens unterweisen lassen? Wo Kapitalismus doch jeglicher menschlichen Intelligenz Hohn spricht, es sei denn, man sähe Skrupellosigkeit, Raublust und sonstiges allerlei verbrecherisches Handeln als Zeichen von Intelligenz an – kriminelle Energie käme dem eher nahe, Vandalismus ungleich näher. In Wahrheit hat Kapitalismus mit intelligentem menschlichen Denken und Handeln nicht das geringste zu tun. Vielmehr steht dumpfes, triebhaftes Vordrängeln in Richtung größtmöglichen Profites auf der Tagesordnung – bedingungslose Konkurrenz ist ehrenvolle Pflicht. Menschen sind im Kapitalismus Freiwild, das es nach Gutdünken auszubeuten, sprich zu bestehlen, zu entrechten zu demütigen gilt. Mitnichten müssen diese Umstände übrigens noch bewiesen werden, sie liegen offen zutage. Kein Studium etwa ist zum Zwecke dieser Erkenntnis notwendig, eher kontraproduktiv, weil der Lebensrealität sich in abhängiger Arbeit befindlichen Menschen völlig entrückt. Mithin, sämtliche Studiengänge – wie im übrigen das Bildungssystem insgesamt – sind drauf ausgelegt, den Kapitalismus aufrecht zu erhalten, indem sie diesem eine akademische Attitüde sozusagen einhauchen und ihm dabei, was das eigentlich Gefährliche ist, einen theoretischen Unterbau zu verschaffen. Jenen theoretischen Unterbau, den der Kapitalismus existenziell benötigt, um seinen Unterdrückungsmechanismen entprechende Wirkung zu verleihen. Sicherung der Herrschaft, Sicherung des privaten Eigentums – was bekanntlich ja keines ist, sondern samt und sonders Angeeignetes, objektiv widerrechtlich Angeeignetes wohlgemerkt, denn ins Recht setzen sich die Kapitalist:innen – Gewohnheitstätern gleich – selbst. All dieses Gebaren muss den Menschen schmackhaft gehalten werden, unbedingt – der Status quo wäre ansonsten im Nu dahin.

Es ist im übrigens wie mit Kriegen, die eigentlich keiner will und die dennoch geführt werden. Bei Kriegsvorhaben ist das entscheidend Wichtigste für die entsprechenden administrativen Minderheiten, die jeweilige Bevölkerung auf ihre Seite zu bringen, sie auf die Notwendigkeit möglicher kriegerischer Handlungen einzuschwören. Verdrehungen politischer Ereignisse, das dreiste Erfinden von Feindbildern, Appelle an Patriotismus und nationalistische Gefolgschaft leisten ihr übriges.
Kapitalismus, dem Kriege Verwandter ersten Grades, setzt ebenfalls auf bedingungsloses Konkurrenzverhalten, bei dem es darauf ankommt, „Gewinner:innen“ und „Verlierer:innen“ auf die jeweiligen Plätze in ihren Gemeinschaften zu verweisen. Es werden die vermeintlichen Vorzüge des Kapitalismus bejubelt, wie z.B. die großartige Versorgung der Menschen mit Gütern oder allgemein das Credo gebetet, Kapitalismus sei die Triebkraft von Innovation und Fortschritt. Krieg als Mittel zur Profitmaximierung? Eine längst akzeptierte Notwendigkeit. Als Feindbild hingegen benötigt der Kapitalismus nur eines, den Antikapitalismus.
Krieg und Kapitalismus bedingen folglich einander, bei beiden wird destruktives in konstruktives umgelogen – Krieg benötigt Kapitalismus – Kapitalismus benötigt Krieg. Dies zu verschleiern genießt in unserem Bildungssysystems höchste Priorität.“

        Enzo kostet vom Eingemachten

 

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