Die »Identitäre Bewegung« – ganz klar rassistisch und neofaschistisch – und ihre Nähe zur AfD

Die »Identitäre Bewegung« (IB) ist eine kleine aber ständig wachsende rassistische Gruppierung, die sich als europäische Jugendbewegung zeigt. Der 2012 gegründete deutsche Ableger wird maßgeblich vom österreichischen IB-Anführer Martin Sellner bestimmt. Typisch für die IB ist eine martialische, d.h. furcht einflößende Selbstinszenierung mit dem aggressiven Einsatz von Marketingmethoden, mit der sie Vorbild im neofaschistischen Lager ist. Trotz eines formalen Unvereinbarkeitsbeschlusses der AfD bestehen – aufgrund der ideologischen Nähe – enge Beziehungen der IB zu der »Jungen Alternativen« und der AfD.

 Ideologie 

Gemäß Ideologie der IB wird der »große Austausch« propagiert! Dieses besagt: mit dem Mittel der Migration solle die europäische Bevölkerung gegen eine nichteuropäische »ausgetauscht« werden – welche in wesentlichen Teilen aus »Kriminellen« und »Sozialleistungserschleichern« bestehe. Diese »Ideologie« folgt dem Konzept des Ethnopluralismus. Das heißt, es wird ausgegangen von dem Vorhandensein einer biologisch gestifteten Einheitlichkeit einer Volks- und Abstammungs-
gemeinschaft – so wie es etwa im NS-Rassismus propagiert wurde. Die kulturelle Reinhaltung der Gesellschaft wird angestrebt, welche es gegen Bedrohung und Vermischung zu schützen gilt.

 Struktur 

Politischer Aktivismus als wesentlicher Bestandteil der IB kann in zwei Säulen unterteilt werden:
1. Säule: Die Arbeit und Wirkung nach Außen – in Form von »Schockaktionen zur Bewusstmachung der SAB (›Selbstabschaffung‹)«. Wichtig idabei: die bewusst harmlose Präsentation in sämtlichen Medien.
2. Säule: Die Stärkung der Gemeinschaft – mittels intern »Sympathieaktionen« genannter Organisation von »Wehrsportübungen, Wanderungen, Volkstanz«. Zur Unterstützung aller Aktivitäten der IB wird die gesamte Klaviatur medialer Vielfalt genutzt, um gezielt in die Köpfe potentieller Neumitglieder oder -aktivisten vordringen zu können. 

 Die Köpfe dahinter (nur Schleswig-Holstein) 

Es seien an dieser Stelle Namen aus der schleswig-holsteinischen IB genannt, obwohl diese sich vorab noch als »Identitas Nord/Identitas-Gemeinschaft« (Ostholstein) bezeichnete IB-Gruppe momentan inaktiv erscheint: Marcel Schark, Ray Vogel und Fabian Wittig (alle Ostholstein); Stephan Buschendorff (Lübeck); Florian Schark, Jasmin-Carina Behrendt, Lisa Bock und Patrik Kleinau (ebenfalls sämtlich Ostholstein), Sönke Borg, Simon Bork, Alexander Jäger (alle drei Kreis Pinneberg). Jonathan Allonge, Mitglied der neu gegründeten Ortsgruppe in Lübeck.

 Aktionen (nur Schleswig-Holstein) 

Aktiv sind die Identitären vornehmlich an Universitäten, durch ihre Aktionsformen machen sie sich attraktiv für junge Menschen. Kontakte zu und Doppelmitgliedschaften bei Burschenschaften und der Jugendorganisation der AfD, den »Jungen Alternativen«, genauso wie enge Zusammenarbeit mit Neonazis sind erwiesen. Obligatorisches, wie Gaffitis, Verteilen von Propagandamaterial, Anbringen von Transparenten, obendrein – dessen Wirksamkeit noch steigernd – auf der Internetseite »Aktionsgruppe Eutin« zusätzlich inszeniert. Teilnahme am »Trauermarsch« 2012 in Lübeck, organisiert von NPD und Kameradschaftsszene. Weitere Besispiele: • Identitäre und Neonazis stören antimilitaristische Wahlkampf-Aktion in Laboe bei Kiel am 14.4.2017. • Eine Gruppe um den in Lübeck lebenden Neofaschisten Jonathan Allonge ist verantwortlich für eine Aktion, bei der am 12. September 2017 großflächig Plakate sowie Aufkleber mit neofaschistischen Aussagen auf dem Schulhof der Dorothea-Schlötzer-Schule angebracht wurden. Die »Identitäre Bewegung« in Norddeutschland verfügt somit über ein funktionierendes Netzwerk aus politischen Strateg*innen, sogenannten »intellektuellen Rechten«, aktionistischen bis militanten Straßenkämpfer*innen und finanzstarken Sympathisant*innen.

 Querverbindungen und Zusammenarbeit 

Aufgrund der rassistischen Ausrichtung hat die IB Kontakte zu bestehenden rechtsradikalen Strukturen in Deutschland und Europa. So zum Beispiel NPD; »Junge Nationaldemokraten« (JN); Burschenschaften; » Burschenschaft Redaria Allemannia« (Teil des extrem rechten Dachverbandes der »Deutschen Burschenschaften«); »Junge Alternative«, AfD (aus versch. Landesparlamenten und Bürgerschaft!)

 Resümee 

Um sich zu in der Gesellschaft zu etablieren, weicht die Identitäre Bewegung dem offenen Neofaschismus aus und wählt für ihre Zwecke eine unverfänglichere Form. Jedoch: ihr Bezug auf die nationalsozialistische Parole »Du bist nichts, dein Volk ist alles« ist offenkundig, so dass man bei der IB schlüssig von einer rassistischen und neofaschistischen Gruppierung sprechen muss. Die Gefahr, die von der »Identitären Bewegung« ausgeht, besteht derzeit eher in ihrem Einfluss auf den

gesellschaftlichen Diskurs als in der Formierung etwa einer extrem rechten Massenbewegung. Obschon befremdlich wirkend durch ihre Aktionen und deren übertriebene mediale Aufbereitung, sorgt sie doch dafür, dass rassistische und faschistische sowie völkische und sozialchauvinistische Ansichten in der Gesellschaft verfangen. Wir danken der Antifaschistischen Koordination Lübeck für die wertvolle Recherche, auf die ich mich in Absprache gestützt habe.                                             C.P. Feindt